Über den eigenen Tellerrand blicken und voneinander lernen

Cardiff, Wales - Lehrkräfte aus dem Nürnberger Land und Wales stellen Ergebnisse gemeinsamer Arbeit zum Themenbereich Inklusion vor

Die bayerische Mittelschule hat in den letzten Jahren große Veränderungen durchlaufen und sich mit der Stärkung der beruflichen Orientierung, des Ganztagsangebots und der Verbesserung der Durchlässigkeit an andere weiterführende Schulen positiv weiterentwickelt.

Wichtig ist es aber, sich nicht mit dem Erreichten zufrieden zu geben und weiter auf der Suche nach Verbesserungen zu bleiben. Ein guter Ratschlag ist dabei sicherlich, über den eigenen Tellerrand hinweg zu schauen und sich dafür zu interessieren, wie in anderen Ländern Schule und Unterricht gestaltet wird.

Im Bereich der Inklusion, also der Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Unterricht an Regelschulen, haben andere Länder in der praktischen Umsetzung gegenüber den Schulen in unserer Heimat einen deutlichen Vorsprung. In Wales beispielsweise ist der Anteil von Kindern und Jugendlichen, die trotz Behinderung gemeinsam mit Gleichaltrigen ohne Behinderung die Schulbank drücken, deutlich größer. Was liegt da näher, sich damit zu befassen, wie die Kollegen von der Insel das hinkriegen?

Im Rahmen einer „Comenius-Regio-Partnerschaft“, bei der die EU die Zusammenarbeit von Regionen im schulischen Bereich fördert, haben sich Lehrkräfte aus dem Nürnberger Land mit Kollegen aus der Hauptstadt Cardiff zusammengetan, um hier Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen, aber auch gemeinsam neue Wege zu ergründen (www.comenius.schulamt-nl.de). Die Mittelschule Altdorf hat sich gleich mit einer ganzen Reihe von Lehrkräften am Projekt beteiligt.

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Die Delegation der Mittelschule Altdorf: v.l. Lisa Schubert, Jörg Baldamus, Kai Lichtenstein

Die Erkenntnisse, die im Laufe der zweijährigen Zusammenarbeit gewonnen worden sind, sowie erste handfeste Resultate wurden nun auf der Konferenz „Internationalising Education“ in Cardiff vorgestellt.

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Peter Hodgkins (Peter Lea Primary School, Cardiff) und Jörg Baldamus (Mittelschule Altdorf) bei der Präsentation der Arbeitsergebnisse.

Die wichtigste Erkenntnis auf deutscher Seite war wohl, dass die Weiterentwicklung zur „inklusiven Schule“ vor allem eine qualitativ hochwertige Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte und die Bereitstellung von einer Vielzahl von bislang schwer verfügbaren Informationen voraussetzt. Mit der Errichtung der Lernwirkstatt Inklusion in Feucht hat man auf deutscher Seite hier einen großen Schritt nach vorne gemacht und war stolz, darüber vor internationalem Publikum zu berichten.

Vorgestellt wurden natürlich auch alle weiteren Arbeitsergebnisse, die während des Projekts entstanden sind. Egal ob Basisinformationen zu einzelnen Formen von Beeinträchtigungen, exemplarische Unterrichtsentwürfe oder Anleitungen für geeignete Unterrichtsmethoden – alle im Laufe der deutsch-walisischen Zusammenarbeit erstellten Materialien werden in der Lernwirkstatt Inklusion allen Lehrkräften im Nürnberger Land zur Verfügung gestellt. Sie sollen hier denen dienen, die in Deutschland immer mehr das umsetzen möchten, was in Wales weitestgehend selbstverständlich geworden ist - das gemeinsame Lernen von allen Kindern und Jugendlichen.